Dusche



© Sinnenflut


Sie steht unter der Dusche, er kann es hören!


Das Wasser rauscht, und wenn er sich das dazugehörige Bild vorstellt,

dann rauscht auch das Blut in seinen Adern.


Solange hat er sie betteln lassen um diese Dusche.

Es war ihm einfach zuviel Arbeit gewesen das Bad umzubauen,

und außerdem ist er sowieso eher einer, der sich in die Wanne legt

– immer gewesen.


Jetzt allerdings …

Es ist warm in seinem Haus, draußen schneit es,

und seine Frau steht nackt in der Dusche!


Plötzlich glaubt er ihren Duft wahrzunehmen,

getragen von der dampfgeschwängerten, heißen Luft seines neuen Bades.

Er atmet tief und schließt seine Augen.

 
Das Bild seiner nackten Frau schwebt vor seinem inneren Auge.

Sie steht im Nebel und das Wasser rinnt an ihrem schönen Körper hinab.

Seine Hände bewegen sich von selbst.

Sie malen Formen in die Luft.

Weibliche Formen.


Er will das Wasser fangen

– auf ihr, will ihre Konturen fühlen –

ihren weichen, heißen Leib.

Nicht umsonst hat er die große Duschkabine eingebaut.

Damals hat er protestiert.


So viel Arbeit, aber sagt man nicht:

Erst die Arbeit, dann das Vergnügen?


Gut, dass er die Arbeit schon hinter sich hat.

 
Sein Hemd fällt auf die Treppe.

Er hört sie leise singen,

als er sich die Schuhe von den Füßen streift,

und er lächelt.

Dann öffnet er die Tür.


Sie liebt diese Dusche – und er liebt sie.


© Anna